Samstag, 15. Juni 2013 um 19:30h

Sechs-Erltumpf-Str.6, 2483 Ebreichsdorf

 

mit Prof. Bijan Khadem-Missagh über

"DIE FORTSCHREITENDE GOTTESOFFENBARUNG"

 

  "Seit den Tagen Adams haben sich die göttlichen Manifestationen bemüht, die Menschen zu einen, auf daß alle wie eine Seele angesehen werden. Aufgabe und Absicht eines Hirten ist, seine Herde zu sammeln, und nicht, sie zu zerstreuen. Die Propheten Gottes waren göttliche Hirten der Menschheit. Sie haben ein Band der Liebe und Einheit unter den Menschen gewirkt, zerstreute Völker zu einer Nation und wandernde Stämme zu einem mächtigen Königreich gemacht. Sie haben die Grundlage göttlicher Einheit gelegt und alle zum Weltfrieden gerufen. All diese heiligen, göttlichen Manifestationen sind eine Einheit. Sie haben einem Gott gedient, dieselbe Wahrheit verkündet, dieselben Institutionen begründet und dasselbe Licht widergestrahlt. Sie kamen nacheinander und sie bezogen sich aufeinander ... Sie riefen die Menschen zur Liebe und machten die Menschenwelt zu einem Spiegel des Wortes Gottes. Daher haben die göttlichen Religionen, die sie begründeten, dieselbe Grundlage."

 

Jede Manifestation Gottes bringt göttliche Lehren entsprechend der spirituellen Kapazität der Menschen zu ihrer Zeit. Deshalb ist religiöse Wahrheit relativ in Bezug auf ihre Empfänger und nicht absolut. Die Offenbarungen der Manifestationen Gottes umfassen auf der einen Seite ewige Wahrheiten, wie einige unabänderliche grundlegende moralische und spirituelle Aussagen, und auf der anderen Seite bestimmte, für den spirituellen Entwicklungsstand der menschlichen Gesellschaft, angepasste Botschaften. Da sich die Menschheit somit zivilisatorisch und spirituell weiterentwickelt, ist dies der fortschreitende Teil der Offenbarung.  

 

 

Seit den Tagen Adams bis heute wurden die Religionen Gottes offenbart; eine
folgte der andern, und jede erfüllte ihre Aufgabe, belebte die Menschheit,
gab ihr Erziehung und Erleuchtung. Sie erlösten das Volk aus dem Dunkel der
stofflichen Welt und führten es in den Glanz des Gottesreiches. Jeder
nachfolgende Glaube, jedes neu offenbarte Gesetz blieb jahrhundertelang ein
überaus fruchtbarer Baum, dem das Glück der Menschheit anvertraut war. Aber
im Laufe der Jahrhunderte alterte er, blühte nicht mehr und brachte keine
Frucht mehr hervor. Deshalb wurde er wieder verjüngt.

Gottes Religion ist eine einzige Religion, aber sie muß immer wieder
erneuert werden. Moses zum Beispiel wurde zu den Menschen gesandt; Er gab
ein Gesetz, und durch dieses Mosaische Gesetz wurden die Kinder Israels aus
ihrer Unwissenheit befreit und ins Licht geführt. Sie wurden aus ihrem Elend
emporgehoben und erlangten unvergängliche Herrlichkeit. Und doch, als die
langen Jahre vergingen, verblaßte dieser Glanz, die Pracht verschwand, der
helle Tag wurde zur Nacht, und als die Nacht stockdunkel war, ging der Stern
des Messias auf, so daß wieder eine Herrlichkeit über der Welt leuchtete.

Was wir sagen wollen, ist folgendes: Es gibt nur eine Religion Gottes. Sie
ist die Erzieherin der Menschheit, aber sie muß erneuert werden. Wenn du
einen Baum pflanzt, wächst er Tag für Tag. Er blüht, bekommt Blätter und
saftige Früchte. Nach langer Zeit aber wird er alt und trägt keine Frucht
mehr. Dann nimmt der Gärtner der Wahrheit Samen von ebendiesem Baum und legt
ihn in unverbrauchte Erde. Und siehe! Bald steht da der erste Baum, genauso
wie er vordem war.

Bedenke sorgfältig, daß in dieser Welt des Seins alle Dinge immer wieder
erneuert werden müssen. Schau dich um in der stofflichen Welt, sieh, wie sie
jetzt erneuert wird. Die Gedankenwelt verändert sich, die Lebensweise
wandelt sich, Wissenschaften und Künste zeigen neue Kraft, Entdeckungen und
Erfindungen werden gemacht, neue Erkenntnisse gewonnen. Wie könnte da eine
so lebensnotwendige Kraft wie die Religion - die Garantin für die großen
Fortschritte der Menschheit, das Mittel zur Erlangung ewigen Lebens, die
Hebamme unbegrenzter Vollkommenheit, das Licht beider Welten - nicht
erneuert werden? Das wäre mit der Gnade und Barmherzigkeit des Herrn
unvereinbar.

Religion ist im übrigen keine Ansammlung von Glaubenssätzen oder Bräuchen;
Religion ist die Lehre Gottes, des Herrn, eine Lehre, die das Leben der
Menschheit begründet, dem Verstand erhabene Gedanken eingibt, den Charakter
veredelt und den Grundstock legt für des Menschen ewige Ehre.
Abdu'l Baha, Briefe und Botschaften